Trauer

Montag, 14. April 2008

Es gibt Tage, ...

... da spürt man schon beim Aufwachen, dass daraus nichts werden kann. An denen man mehr als an anderen die Einsamkeit und die Sehnsucht spürt, an denen man immerzu weinen möchte und sogar bei der Arbeit kaum die Tränen zurück halten kann. Wo man sich jemanden an seine Seite wünscht, der einen in den Arm nimmt und einfach und wortlos nur festhält. Man weiß, dass sie vorbei gehen, aber wenn man drin steckt, scheint die Sehnsucht unendlich groß und man weiß nicht, wie man je wieder glücklich werden soll.
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Dienstag, 29. Januar 2008

I don't like mondays, part 3

Der Tag gestern, der ohnehin schon schwierig und sehr anstrengend war, endete dann auch noch mit einem furchtbaren Anruf. Nein, nicht der, auf den ich schon seit einiger Zeit warte, aber sein Inhalt war fast der gleiche.
Eine Freundin rief mich an, um mir zu sagen, dass ihre Schwester gestorben sei. Auch sie kannte ich gut. Dass sie an einem Hirntumor litt, wusste ich wohl. Vorgestern erlitt sie eine Hirnblutung und sie fiel in Koma, nachdem sich ihr Zustand in den letzten Monaten fortwährend verschlechtert hatte.
In den vergangenen Wochen, genauer seit dem Nikolaustag, sind inzwischen vier Menschen gestorben, die mir nahe standen oder es wenigstens einmal waren. Jeder dieser Menschen starb an Krebs, jeder von ihnen starb qualvoll und unter großen Schmerzen.
Ich habe nicht viel geschlafen letzte Nacht. Um vier Uhr bin ich endgültig wieder aufgestanden und fühle mich jetzt, als hätte man mich in eine dicke Lage Watte gehüllt. Gedanken huschen durch den Kopf, aber festhalten kann ich sie nicht.
Ich sitze jetzt bei der Arbeit, viel zu früh, ich hätte erst in drei Stunden anfangen müssen. Aber Arbeit ist der Feind der Gedanken und es lenkt mich vielleicht ein wenig ab.

Ich habe Angst, dass es so weiter geht.
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Freitag, 18. Januar 2008

Telefongeklingel

Wenn mir viele Dinge durch den Kopf gehen, dann passiert es gelegentlich, dass ich nachts davon wach werde. Im Augenblick rechne ich jederzeit mit einem furchtbaren Anruf, der mir keine Freude machen wird. Und heute nacht bin ich wenigstens drei Mal aus dem Schlaf hochgeschossen, weil ich dachte, das Telefon klingelt. Es hat gar nicht geklingelt, obwohl ich es doch ganz deutlich gehört habe - und mich auch fürchterlich erschrocken habe. Schlafmangel macht aber weder die Tage erträglicher, noch die Nachricht, die ich so fürchte.
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Sonntag, 30. Dezember 2007

"Hoffnung" und "Liebe" in der Literatur

Es muß furchtbar sein zu hoffen, und niemals die Erfüllung seiner Hoffnung zu erleben.
Aus: John Knittel: Kapitän West

Sogar wenn man nichts mehr vom Leben zu erhoffen hat, bleibt immer noch etwas zu befürchten.
Aus: Michel Houellebecq: Lanzarote

Wie schön könnte das Leben sein, ersparte es uns seine bitteren Lektionen.
Aus: Anton Gill: Tod am Nil

Nur der allein hat sich gewöhnt, der nicht mehr hofft.
Aus: B. Traven: Das Totenschiff

Je mehr du hoffst, desto schlimmer haut es dich um, wenn du wieder mit der Nase in der Scheiße steckst.
Aus: Lew Kopolew: Tröste meine Trauer

Es ist nicht nötig, an eine bessere Welt zu glauben, um Kinder zu kriegen, es genügt, welche zu kriegen, um daran zu glauben.
Aus: Jean Duché: Drei unter einem Dach

Liebe sollte doch einen freudige Empfindung sein - nicht etwas, das einem so schrecklich weh tat.
Aus: Agatha Christie: Morphium

Frauen leben für die Liebe. Männer haben Wichtigeres im Sinn.
Aus: Anja Meulenbelt: Du hast nur einen Beruf - mich glücklich zu machen

Ein bezahlter Körper ist kein Ersatz für ein liebendes Herz.
Aus: Anton Gill: Tod am Nil

Einen schlimmeren Verrat, als die Liebe eines Menschen zu benutzen, um sie gegen ihn einzusetzen, konnte man sich kaum vorstellen.
Aus: Barry Unsworth: Ein Haus in Umbrien

Das war das Schlimmste an der Liebe, das sie so plötzlich und völlig unvorhersehbar ausbleiben konnte.
Aus: Doris Dörrie: Der Mann meiner Träume

Männer geben Zuneigung, um Sex zu bekommen, Frauen geben Sex, um Zuneigung zu bekommen.
Aus: Edit Schlaffer: Laßt endlich die Männer in Ruhe

Gewalt kann der Ausdruck von Liebe sein, Gleichgültigkeit niemals.
Aus: Graham Greene: Die Stunde der Komödianten

Hüte dich vor einem Herzen mit vielen Inschriften; denn in einem Herz, das Platz für viele hat, ist nicht Raum genug für einen.
Aus: John Knittel: Amadeus

Ein Mensch braucht Liebe. Ein Mensch stirbt ohne Liebe.
Aus: John Steinbeck: Der Mond ging unter

Wo zwei Menschen vereint sind, ist der, der am meisten liebt, gerade dadurch stets der Schwächere, Ungeschicktere, Verletzliche und weniger Glückliche.
Aus: Michel Tournier: Der Wind Paraklet

... to be continued
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Samstag, 29. Dezember 2007

"Auf jeden Topf passt ein Deckel"

Als ich eine junge Frau war, traf ich auf einer Veranstaltung einen jungen Mann. Wir unterhielten uns nett und er verliebte sich in mich. (Ja, damals passierte das noch, seufz.) Ich fand ihn sympathisch, aber ich erwiderte seine LIebe nicht. Er wusste das. Er trennte sich trotzdem von seiner langjährigen Freundin, um mit mir zusammen zu sein. Seine berufliche Zukunft lag deutlich vor ihm. Er würde die erfolgreiche Firma seines Vaters übernehmen. Seine Freundin hatte für ihn eine entsprechende Ausbildung angefangen. So weit so gut. Wir gingen ein paar Mal miteinander aus, und irgendwann fing er an, unsere gemeinsame Zukunft zu planen. Er plante sein Leben, sein Haus, seine Zukunft - und mein Leben. Ich aber hatte damals ganz andere Ideen und trennte mich von ihm und verließ kurz darauf die Stadt.
Über die Jahre vergaß ich diese Episode, dachte nicht mehr an ihn. Eine gemeinsame Freundin rief vor einigen Jahren die Erinnerung wieder wach und erzählte manchmal von ihm. Er hat die Firma seines Vaters übernommen, er hat sich das erträumte Haus gebaut, aber geheiratet hat er nie.
Vorhin rief mich eben jene Freundin an und erzählte mir, dass er am Heiligen Abend gestorben sei und fragte, ob ich zur Trauerfeier kommen würde. Und mir fielen wieder die Worte ein, die er mir sagte, als wir auseinander gingen und die mich damals schon tief berührten: "Auf jeden Topf passt ein Deckel. Meiner war aus Glas - und ich ließ ihn fallen."

Leb wohl, Wolfgang.
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Lieber Gott, schenk mir Geduld. Sofort.

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